„Warum will die Jugend so wenig in der Kirche mitgestalten?
Glaubt sie nicht, dass diese Kirche nicht auch ihre Kirche ist?
Ihr Jugendliche müsst viel stärker den Pfarrern, den Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten auf den Füßen stehen und Ideen entwickeln.
Jugend muss formulieren, was sie will, muss zeigen, was sie kann, wofür die sich einsetzen will.“
(aus der Predigt von Bischof Wanke bei der Jugendwallfahrt am 24.06.2012 in Erfurt)
Bischof Joachim lag die Jugend immer in besonderer Weise am Herzen. Schon zur DDR-Zeit traf er sich einmal im Jahr mit jungen Christ:innen des Bischöflichen Amts Erfurt-Meiningen zu einem „Jugendforum“. Zentrale Botschaften seiner Predigten bei über dreißig Jugendwallfahrten zum Erfurter Domberg sind vielen jugendlichen Zuhörer:innen oft noch lange Zeit in Erinnerung geblieben. Im Nach-Wende-Jahr 1990 erinnerte er bei diesem Anlass an ein Psalmwort, welches er im Vorjahr zitiert hatte: „Mit meinem Gott spring ich über Mauern“ und fügte mit einem Zwinkern hinzu: „Damals habt ihr alle gelacht. Nun ist genau dies Wirklichkeit geworden.“
Wie ein Bericht in der damaligen Jugendzeitschrift des Bistums Erfurt „Gänsefuß“ verdeutlicht, war Bischof Wanke am 16. Oktober 1993 bei der Gründungsversammlung des BDKJ Diözesanverbandes Erfurt (wie so manche seiner Amtskollegen im Osten Deutschlands) noch skeptisch, ob ein bis dahin westdeutsch geprägter Verband zu den in DDR-Zeiten gewachsenen Strukturen der kirchlichen Jugendarbeit in Thüringen passen wird. Letztlich hat er sich auf dieses „Abenteuer“ mit eingelassen und in den Folgejahren zunehmend Jugendverbände als Orte kirchlichen Lebens neben der Jugendarbeit in den Pfarreien und in den Jugendhäusern schätzen gelernt. Bei Gesprächen mit dem BDKJ Diözesanvorstand oder Diözesanversammlungen forderte der Bischof die jungen Christ:innen des Öfteren dazu auf, die mit der deutschen Einheit neu gewonnenen Möglichkeiten der politischen Einflussnahme und Beteiligung aktiv zu nutzen und möglichst selbst Verantwortung zu übernehmen.
In den Jahren des Umbruchs der Wiedervereinigung hat Bischof Wanke die Transformationsprozesse der Kirche in Ostdeutschland mit Weitblick und Sensibilität mitgestaltet. Er verstand es, Brücken zu bauen. Zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten und nicht zuletzt zwischen Kirche und Gesellschaft. Besonders durch sein offenes Zugehen auf ein zunehmend säkulares Umfeld war er Wegweiser für eine sich verändernde Gestalt kirchlichen Lebens in Deutschland.
Als BDKJ Diözesanverband Erfurt sind wir dankbar für sein Vertrauen in junge Menschen und seine beständige Ermutigung, Verantwortung in Kirche und Gesellschaft zu übernehmen.
Johanna Birkefeld und Robert Weidler (für den BDKJ Diözesanverband Erfurt)